ein platz am fenster



Vorwort



Die Gedichte von Myriam Keil tänzeln auf den Leser zu, als ob sie anscheinend aus dem Ärmel geschüttelt wären. Leichtfüßig. Man übersieht, dass dahinter ein kunstvoller Plan steckt, keinesfalls aber künstlich oder konstruiert. Ihr Blick auf die Wirklichkeit ist zuweilen nachdenklich, aber doch mit einem Augenzwinkern, hinter dem sich Optimismus verbirgt, niemals resignierend. Sie versteht es, die Worte, die uns allen geläufig sind mit wenigen Ausnahmen so zu arrangieren, dass ungewohnte Zusammenhänge entstehen, die das Gesagte umso eindringlicher abbilden.

Sie drückt das Leben ohne Schnörkel, aber sehr poetisch aus, beschreibt Nähe auf unausgetretenen Pfaden, mit der Wellenlänge unbekannter Farben, die sie treffend auffrischt. Die kritische Erkenntnis vom eigenen Ich wird ohne Belehrung transportiert. Sie drückt eine Zärtlichkeit aus, die sich nie aufdrängt, die hinauswächst über alles persönliche Erleben. Der Weg ist glaubhaft, bedarf keiner Formel.

Ihr Morgen gehört zum Jetzt, in dem auch die Vergangenheit versammelt ist, die Zukunft beginnt erst übermorgen. Ihre Verse bedürfen keiner oder nur spärlicher Satzzeichen, um Bedeutung zu gewinnen. Eine weitere "Ver"-Dichtung ihrer Dichtung wäre Amputation.

Sie betreibt ganz im Stillen "vergleichende Verhaltensforschung", schickt dann alles durch ein Brennglas, zirkelt dort ab, wo die Unschärfe beginnt: eine Geometrie auf Gefühlsebene. Dadurch klettern ihre Gedichte ins Allgemein-Gültige, ohne zu verallgemeinern.


Fritz Huber


Die namhafte Salzburger Literaturzeitschrift "erostepost" schrieb für 2006 einen Lyrikpreis aus. Myriam Keil erhielt einen der beiden Preise. Als Jurymitglied entwarf ich dieses Vorwort im Wesentlichen schon damals, als es galt, die eingesandten Texte zu begutachten natürlich anonym und daher "ohne Ansehung der Person". Meine Meinung hat sich mit diesem Lyrikband nur bestätigt. Das ist ein schönes Gefühl.





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